Landkarten, Lagepläne ......


Quelle: Niedersächsiches Landesarchiv Aurich / Ostfriesische Landschaft

 

Sie hatten alle gemeinsam den Heiligabend gefeiert auf Juist.  Es ist 1717, man sitzt zusammen in der noch nicht ganz fertig gestellten Kirche von Bill, im Westen der Insel. Nach dem Weihnachtsgottesdienst machen sich die Einwohner aus dem Osten der Insel, vom Ortsteil Loog, auf den Heimweg. Sie sollten nie zu Hause ankommen. 28 Menschen kostete dieser Spaziergang ihr Leben, die einzigen Todesopfer der Ostfriesischen Inseln während der Weihnachtsflut. Denn diese sind erstaunlich glimpflich davongekommen.

 

Die Weihnachtsflut war nicht die erste Sturmflut, die Juist so grausam heimsuchte. Die Petri Flut von 1651 hatte bereits großen Schaden angerichtet und die Insel auf Höhe des heutigen Hammersees förmlich in zwei Teile gerissen. Die Bevölkerung lebte 1717 in zwei Ortsteilen: in Bill im Westen und

 

Seit 1715 baute man für beide Ortsteile zwei neue Kirchen, die beide zu Weihnachten 1717 noch nicht fertig waren. Vielleicht war der Bau für die in Bill schon ein wenig weiter fortgeschritten und dass der Grund, weshalb die 28 Looger diesen Heiligabend bei den Nachbarn im Westen feierten. Auf dem Heimweg überraschte sie jedenfalls eine riesige, tödliche Welle. Sie befanden sich wohl in dem ungeschützten Bereich zwischen den beiden Inselteilen, als die Wassermassen auf sie einstürzten. Ihre Leichen wurden am nächsten Morgen zwischen den Dünen gefunden. Das Tragische an der Geschichte: Ihr Heimatdorf Loog im Osten der Insel erlitt in dieser Nacht kaum einen Schaden. Wären sie Zuhause geblieben, wäre ihnen vermutlich nichts passiert.

 

In Bill sah die Lage nach den gewaltigen Fluten wesentlich dramatischer aus: Der Ortsteil im Westen war vollkommen zerstört, auch die Kirche, in der man eben noch zusammen zum Weihnachtsgottesdienst gesessen hatte. Neun der 18 Häuser waren weggespült, an gleich vier Stellen hatte sich die Nordsee ihren Weg über die Insel gebahnt. Es war nichts mehr zu machen. Die Überlebenden zogen nach Loog. Das zerstörte Dorf wurde nicht wiederaufgebaut. Eine Karte von 1805 zeigt die Insel Juist und ihre zwei Teile, das ehemalige Bill vollkommen unbewohnt.

 

Juist blieb als Folge der Petri- und dann Weihnachtsflut für lange Zeit zweigeteilt. Erst in den Dreißiger Jahres des 20. Jahrhunderts wurde die Insel durch Schutzdeiche an der Bruchstelle dauerhaft wiedervereint. Die Folgen der Weihnachtsflut von 1717 sind auf der Insel immer noch zu spüren. Mit Ausnahme der Domäne Bill, einem Ausflugslokal ganz am westlichen Ende der Insel, ist der Bereich westlich des ehemaligen Durchbruchs und heutigen Hammersees weiterhin nicht bewohnt. Heute ist Juist mit West- und Ostdorf der Hauptort der Insel, Loog der kleinere Ortsteil mit Küstenmuseum und letzter bewohnter Stützpunkt, bevor es zu Fuß, mit dem Rad oder der Pferdekutsche weiter in den Westen der Insel geht.

 

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Auch heute richten Sturmfluten schwere Schäden an den Billdünen im Westen der Insel an. Immer wieder gefährden lange Dünenabbrüche die Inselsicherheit, wie im November 2006 als das Orkantief Britta über die Insel hinweg zog. Die Billriffdünen wurden in den folgenden Jahren für 1,3 Millionen Euro verstärkt. Auf einer Länge von einem Kilometer wurden rund 200.000 m³ Sand neu aufgeschüttet und anschließend bepflanzt. Auch im Dezember 2013 richtete der Orkan Xaver wieder schwere Dünenschäden auf der Höhe des Hammersees an. Laut dem Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) wurden die Naturdünen von der tobenden Nordsee dort auf einer Breite von 25 Metern weggespült.

 


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